27. Mai 2018

Rezension: Nevernight (I)


Eine Klinge der Mutter muss so still sein wie Sternenlicht auf der Wange eines schlafenden Säuglings.


Titel:

Nevernight – Die Prüfung

Originaltitel:

Nevernight

Autor:

Jay Kristoff

Genre:

(Epische) Fantasy

Ausgabe:

Deutsches Hardcover

Seiten:

704

Preis:

22,99 €

Erschienen:

September 2017

Verlag:

FISCHER Tor

Inhalt:


In einer Welt mit drei Sonnen,
in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes,
sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben einige mächtige Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde vom alten Mercurio großgezogen, einem Antiquitätenhändler. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die »Rote Kirche«. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit der Nacht, in der ihre Familie zerstört wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der »Roten Kirche« machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …

Meinung:

Wie immer zuerst meine Meinung zum Plot: Ich liebe ihn! Ein bisschen erinnert es mich an Das Lied des Blutes von Anthony Ryan, aber auf eine positive Art. Natürlich ist eigentlich von Anfang an klar, dass Mia eine der vier Klingen sein wird, aber man fragt sich stattdessen, wer die anderen drei sein werden. Tric, Ash und Lotty? Das wäre zu einfach. Tric, Ash und Jessamin? Schon eher. Aber was ist mit Husch? Oder Diamo? Und was ist mit Osrik?
Auch wenn man Mias Zukunft relativ gut vorhersehen kann – sie wird eine der vier Klingen, kehrt nach Gottesgrab zurück und tötet dort Scaeva, Remus und Duomo, und verbringt den Rest ihres Lebens als Klinge der roten Kirche – bleibt das Buch also spannend.
Das liegt zum einen an einigen Wendungen, die trotz allem unerwartet sind, und zum anderen am Schreibstil, der Mias Geschichte stellenweise mit viel Humor, an anderen Stellen auf eine richtig coole, epische Art („Vielleicht hätte ihr all das auffallen können, bevor es zu spät war. Aber da war es schon zu spät.“) erzählt.
Auch die vielen Fußnoten finde ich an sich toll, die Hintergrundgeschichten zu manchen der Ereignisse sind echt witzig, aber die ewig langen Lexikonartikel über König Francisco XY können einen schon etwas aus dem Konzept bringen, besonders dann, wenn die Fußnote auf der nächsten Seite fortgesetzt wird und man anschließend wieder zurückblättern muss.
Kommen wir zu den Charakteren. Ich finde, dass die Charaktere unglaublich gut gelungen sind. Mir gefällt sehr, wie vielseitig Mia ist. Sie ist nicht einfach nur eine kaltblütige Mörderin, sonder eben auch ein Mädchen, das manchmal ein ziemlich weiches Herz hat oder sich fürchtet… Das wird schon innerhalb des ersten Kapitels klar, während zwei vollkommen unterschiedliche Szenen häppchenweise erzählt werden.
Bei Tric ist das etwas anders: Das ganze Buch über scheint er ein sehr warmherziger Mensch zu sein, der nur szenenweise den brutalen Assassinen zeigt.
So richtig in das Buch hineinversetzen kann man sich nur in manchen der Szenen, andere wirken dagegen fast schon emotionslos. Zwar bleibt das Buch die ganze Zeit über fesselnd, aber irgendwie entsteht eine gewisse Distanz zu der Handlung, die nur hin und wieder gebrochen wird. Mir persönlich kommt es so vor, als wären die meisten Gefühle (der Charaktere) einfach weggelassen worden, einerseits logisch, weil die Geschichte ja von einem Außenstehenden erzählt wird (der zumindest nicht Mia ist, mehr weiß ich noch nicht), aber andererseits gehören die genauen Gefühle des Hauptcharakters für mich fast so sehr zur Geschichte, wie die Beschreibung der Umgebung.

Fazit:

Der Auftakt der Reihe rund um Mia Corvere und die Rote Kirche ist wirklich gelungen und macht auf jeden Fall gespannt auf den nächsten Band.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Das Mädchen fühlte die Worte tief in der Brust. In diesem tiefsten, dunkelsten Ort, wo die Hoffnung, die Kinder noch atmen und Erwachsene betrauern, verdorrte und zerfiel, um wie Asche vom Wind davon getragen zu werden.


~Pauline

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen